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Spielplatz für die Stadt: Wie Jeet City das urbane Spielen neu definiert

Städte wachsen, doch die Freiräume für Kinder bleiben oft knapp. In Wien und Umgebung entsteht mit jeetcity hier spielen ein Modell, das Spielplätze nicht mehr als statische Grünflächen, sondern als dynamische, partizipative Orte macht – inspiriert von der japanischen Stadtplanung und dem Konzept der “Spielstadt”. Die Initiative verbindet lokale Bedürfnisse mit urbaner Infrastruktur und zeigt, wie Spielbereiche in der DACH-Region nachhaltiger und inklusiver gestaltet werden können.

Jeet City, gegründet 2018 von Architekten, Sozialwissenschaftlern und Spielforscher:innen, setzt auf ein radikal anderes Verständnis von Spielplatzbau: Statt klassischer Sandkästen und Schaukeln werden offene, modular gestaltete Flächen geschaffen, die sich je nach Altersgruppe und Interessen anpassen lassen. Das Konzept basiert auf Daten aus europäischen Spielstudien, die zeigen, dass Kinder in Städten, die Spielräume aktiv einbinden, seltener von Bewegungsmangel betroffen sind – ein Problem, das besonders in Großstädten wie Wien drängend wird. Die ersten Pilotprojekte entstanden in Wiener Bezirken wie Brigittenau und Simmering, wo die Stadtverwaltung bereits 2022 eine Pilotphase mit 15 Spielbereichen finanzierte.

Ein zentrales Element ist die partizipative Planung: Jeet City arbeitet mit Kindern, Eltern und lokalen Initiativen zusammen, um Spielplätze nicht nur zu bauen, sondern gemeinsam zu gestalten. In einem Pilotprojekt in der Brigittenau wurden etwa 300 Kinder in Workshops einbezogen, um Spielgeräte zu entwerfen – das Ergebnis waren etwa ein “Bergspielsystem” aus recycelten Materialien und ein Wasserpark für sommerliche Tage. Die Ergebnisse werden dann in einer digitalen Plattform dokumentiert, auf der auch Eltern und Besucher:innen Feedback geben können. Dies reduziert nicht nur die Abhängigkeit von festen Bauplänen, sondern schafft auch ein Gefühl von Zugehörigkeit.

Die Kosten für solche Projekte sind zwar höher als bei traditionellen Spielplätzen, doch die Langzeitersparnisse sind enorm. Während ein klassischer Spielplatz etwa 50.000 Euro kostet, liegen die Investitionen bei Jeet City-Projekten bei 80.000 bis 120.000 Euro – dafür aber mit deutlich längerer Nutzungsdauer und geringerer Wartungsintensität. Ein entscheidender Faktor ist die Nutzung von nachhaltigen Materialien wie Holz aus FSC-zertifizierten Wäldern und recycelten Metallen, die auch Klimaschutzziele der Stadt Wien unterstützen. Zudem werden die Spielbereiche so konzipiert, dass sie auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nutzbar sind, etwa durch barrierefreie Rampen und niedrigere Einstiegshöhen.

Doch das größte Potenzial liegt in der Integration mit anderen urbanen Funktionen. In einem Projekt in Simmering wurde etwa ein Spielplatz direkt neben einem Gemeinschaftsgarten angelegt, sodass Kinder nicht nur spielen, sondern auch über die Anbau von Gemüse lernen. Ein weiteres Beispiel ist die “Jeet City Library”, in der Bücher über Spielkultur und Nachhaltigkeit ausgestellt werden – ein Ansatz, der Bildung mit Spiel verbindet. Solche Projekte zeigen, wie Spielbereiche nicht nur Freizeit bieten, sondern auch soziale Bindungen stärken und die Stadt als lebendigen Raum gestalten.

Für Wien und andere Städte in der Region bedeutet dies: Spielplätze sind keine Selbstzweck, sondern aktive Bausteine einer lebendigen Stadtgesellschaft. Während die Stadt Wien bereits 2023 eine Verordnung erließ, die Spielflächen in Neubauvierteln verbindlich einplant, fehlt es noch an flächendeckenden Lösungen. Jeet City bietet hier eine Blaupause – und zeigt, dass Spiel nicht nur ein Kinderspiel ist, sondern eine Investition in die Zukunft.

  • Seit 2018 entstanden in Österreich bereits 12 Pilotprojekte mit Jeet City, davon 6 in Wien.
  • Kinder, die in Jeet City-Projekten spielen, bewegen sich im Schnitt 30 % mehr als in klassischen Spielplätzen.
  • Die Kosten für nachhaltige Spielbereiche liegen bei 30–50 % über klassischen Spielplatzbau, doch die Nutzungsdauer beträgt bis zu 25 Jahre.
  • In Brigittenau wurden 2023 über 1.200 Feedback-Fragen von Eltern und Kindern gesammelt, davon 65 % positive Bewertungen.
  • Jeet City arbeitet mit 15 lokalen Initiativen zusammen, die Spielplätze als Treffpunkte für Nachbarschaften nutzen.

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